Mittwoch, 25. Juni 2014

Brücken bauen!

Brücken verbinden, Brücken überwinden Gräben und Brücken führen Menschen zusammen!
Zu Zeiten der globalen Vernetzung ist es nicht schwierig Bilder und Botschaften aus aller Welt zu empfangen. Jedoch sind die netten Lebensweisheiten und Aufrufe zu einem positiven Miteinander häufig nicht mehr Bestandteil unseres Lebens.
Wir bejahen den Weltfrieden, ein Leben ohne Hass und Neid, aber an der Umsetzung in unserem täglichen Umfeld scheitern wir häufig kläglich.
Die Menschen gehen achtlos aneinander vorbei, oder lassen dem Nächsten ihre ungefilterte Aggression spüren.

Wir wollen mit unseren Installationen eine bunte Aufforderung zum Innehalten und Kommunizieren schaffen.
Inzwischen geschieht so etwas weltweit an vielen Orten.

In Mannheim wurde zum internationalen Yarnbombing Day die Kurpfalzbrücke mit aufwendig gehäkelten und gestrickten Kunstwerken verziert.








Leider sah die Stadt Mannheim das anscheinend als Angriff!!!!!!!!!!!!! auf die Ordnung der Stadt. Also wurden die Kunstwerke vom städtischen Reinigungsdienst innerhalb weniger Tage entfernt!


Text: Am 7.Juni 2014 war INTERNATIONAL YARN BOMBING DAY, ein Tag an dem Stricker/innen und Häkler/innen auf der ganzen Welt zeitgleich bunte Statements in ihre Stadt hängen. 
Auch hier an dieser Brücke versammelten sich engagierte Mannheimer um die Brücke mit Strickwerken zu schmücken. Einige brachten Strick/Häkelstücke mit und selbst die "Initiative Stadtwunder" aus Hoyerswerda schickte Teile zum Verschönern unserer Stadt.
Am Morgen des 12.Juni gelang es dann der Stadt Mannheim ungeahnte Kräfte zu motivieren: Mitarbeiter der Stadt entfernten sämtliches Strickwerk.
Sie kann es sein, dass wir hier im Mülllll ersticken, die Stadt nicht in der Lage, bzw. nicht gewillt (?) ist, diesen zu entfernen, ein bisschen bunte Wolle, sie sämtliche Menschen die vorbei gingen zum Lächeln brachte, konnte aber ratzfatz entfernt werden? Wie kann es sein, dass diese bunten Wollwerkte das Stadtbild mehr stören, als die Glasscherben und der Mull, die sich darunter sammeln???
Wir werden nicht aufgeben weil unsere Stadt ein Paar Hingucker gut gebrauchen kann!!


Die Zivilcourage in diesem Statement von Strickt Dagegen-Bunt Statt Grau hat uns so beeindruckt, dass wir an einer Kontaktaufnahme mit den Mannheimer Strickern nicht vorbei kamen.
Jedoch hatten wir nicht mit der Spontanität der hiesigen Akteurin gerechnet, die uns innerhalb von ein paar Tagen, einen Kurzbesuch in Nürnberg bescherte.



Irgendwie hat es zwischen den Wolldamen sofort gefunkt und es wurde beschlossen, eine Solidaritätsbekundung jetzt und gleich zu verfassen.
Da das bevorzugte Material in diesem Fall ja nicht aus Stift und Papier besteht, wurde daraus eine vereinte improvisierte Wollbombennacht in meinem Haus!














Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen und deshalb haben wir uns am nächsten Tag aufgemacht, das Mannheimer Wollresultat gemeinsam an der Liebesinsel Brücke in Nürnberg anzubringen.























Der erste Teil der Brücke war somit erstellt!




Das Teil der Nürnberger Häkelmafia durfte dann nach einem kurzen Fotoshooting an der heimischen Brücke, seinen Weg nach Mannheim antreten..........................................



...........................wo es eine Nacht später einen würdigen Platz erhielt







Ein gelungener Brückenschlag der Solidarität!





Unser Fazit, dass wir aus diesem gemeinsamen städteübergreifenden Projekt ziehen:



Wolle verbindet und zwar weltweit!




Freitag, 23. Mai 2014

Have a break oder als Wooly den Sinn einer Pause begriff!

Eigentlich bin ich ja eher ein etwas altmodischer Mensch. Sehr lange Zeit habe ich mich gegen viele Neuerungen und vor allem gegen ein Mobiltelefon gewehrt.
Mein altes Telefon erfüllte ja seinen Zweck, war aber leider etwas zu groß für meine Handtasche!



Also beschloss ich, eine neue revolutionäre Technik in meinen Provinzhaushalt Einzug halten zu lassen.
So ein Multimediateil mit integriertem Fotografen, Fotolabor, Manager, Morgenwecker, Kochbuch, Wettervorhersage und Sekretärin  inklusive. Echt totschick und mini klein dieses Elektronikteil!



Voller Stolz nahm ich es bei meinem nächsten Ausflug mit nach Nürnberg, um es meiner Freundin Chantal vorzuführen.

Den ganzen Nachmittag war ich damit beschäftigt, mit meinem Handy zu kommunizieren. Chantal hat derweil die wortlose Zeit mit einem Schönheitsschlaf sinnvoll genutzt!


Ziemlich schnell war dann auch noch der Akku leer. Also bin ich total gestresst, unausgeglichen und wütend nach Hause gefahren, um ihn schleunigst wieder aufzuladen. Vor lauter Wut bin ich viel zu schnell gefahren, habe dem nächsten Menschen der mir über den Weg lief, einen zornigen Blick geschenkt. Worauf der mir ein paar unschöne Worte entgegen schmetterte.

Als ich dann Abends in meinem Bettchen lag und nochmal über die Erlebnisse des Tages nachgedacht habe, fiel mir ein, dass Chantal und ich, wie sonst üblich, uns nicht unterhalten hatten, nicht ein einziges Mal vor Lachen fast zusammengebrochen sind und auch keine netten  Menschen getroffen hatten.




Was hatte ich jetzt nur falsch und anders als sonst gemacht?
Chantal hat doch schon lange so ein Handy und trotzdem war es bei unseren vorherigen Treffen ganz anders.


Da war guter Rat teuer!
Wir beschlossen einen Krisenrat einzuberufen und dem Geheimnis der Sprachlosigkeit mit kriminalistischem Spürsinn auf die Schliche zu kommen.




Wie immer fand unsere lebenserfahrene Chantal die Lösung (wahrscheinlich kannte sie sie schon vorher! ;) )




Diese Erkenntnis musste sofort in ein Häkelprojekt umgesetzt werden.

Also haben wir uns an die Arbeit gemacht.
Allen voran unsere kleine Prinzessin Schokominza, die mit ihren sechs Jahren die tollsten Luftmaschenketten häkeln kann.



 Wir waren wirklich fleißig!



Und als der Tag gekommen war, haben wir uns mit unserer Botschaft auf den Weg nach Nürnberg gemacht!

   



Das passende Zielobjekt war schnell gefunden!












Jetzt wollt Ihr aber sicherlich auch noch wissen, welche Botschaft wir Euch auf dieser Parkbank hinterlassen haben!




Na dann, seht selbst!


















Donnerstag, 17. April 2014

1. Nürnberger Ostereiermarsch

Alle Menschen die mich inzwischen kennengelernt haben, wissen, dass ich jemand bin, der mit seiner Kunst gerne Spaß und Freude verbreitet. Meine Kunstwerke aber auch häufig mit Selbstironie als Mittel zur Eigenreflexion behaftet sind.
Dies zieht aber auch nach sich, dass es mir immer wieder ein Anliegen ist, mich mit mir und der Gesellschaft kritisch auseinanderzusetzen.



Die momentane beängstigende Situation in der Ukraine und der Zusammenhang mit dem Verhalten unserer Gesellschaft, hat mich gedanklich so beschäftigt, dass es mich wieder einmal zu einem Wollkunstwerk inspiriert hat, dass uns alle zum Nachdenken und Diskutieren veranlassen soll.

Da meine Eltern ja noch einer, in Kriegsjahren aufgewachsenen Generation angehörten, ist mir die jüngere deutsche Geschichte bis 1933 sehr wohl bekannt. Mit Beginn der Krim-Krise und einem damit verbundenen Blick in den Atlas, fiel mir sofort Polen ins Auge. Das Land zwischen Deutschland und der Ukraine. Der Einmarsch deutscher Truppen in Polen und somit die Völkerrechtsverletzung eines Diktators, die weltweit zwar mit Missfallen betrachtet wurde, der man jedoch auch nicht rechtzeitig entgegentrat.
Welch Grauen dieses Versäumnis für Europa und Millionen von Menschen nach sich zog, wird den meisten Menschen ein Begriff sein.


Deshalb muss es doch gerade  für Europa und Deutschland im speziellen, ein Anlass sein, über unsere völkerrechtlichen Verpflichtungen nachzudenken, die die Grundlage des Umgangs zivilisierter Nationen miteinander bilden.

Da wir doch alle in Zukunft friedlich und in Wohlstand miteinander leben wollen, müssen wir uns gezwungen fühlen, über die mögliche Konsequenz unseres "Nicht-Handelns" nachzudenken.

Das Beispiel Russland zeigt uns doch auch, dass eine Regierung, die das Völkerrecht missachtet, auch die Menschenrechte bricht.


Deshalb müssen wir solidarisch sein mit Pussy Riot und allen weltweit, die unter Einsatz ihrer Freiheit, Gesundheit oder sogar ihres Lebens mit gewaltlosem Widerstand für die Menschenrechte eintreten, denn sie kämpfen auch für uns, indem sie in ihren Staaten eine wirkliche Demokratie schaffen wollen. So wie zu seiner Zeit der Friedensnobelpreisträger Andreij Sacharow, der heute wahrscheinlich wieder am Anfang seines beschwerlichen Weges zum Friedensnobelpreis stehen würde.


Lasst uns genau hinsehen, um die Tragweite unseres Nichthandelns zu erkennen: Unsere Freiheit und unser Wohlstand sind nicht haltbar, wenn wir nicht bereit sind gemeinsam ihre Grundpfeiler nach innen und außen zu verteidigen. Wenn jeder Einzelne und jeder Staat nur noch mit sich selbst beschäftigt ist, haben Lügner, Hetzer und Manipulatoren leichtes Spiel; 
Entsolidarisierung und fehlendes Mitgefühl machen uns zu machtlosen Opfern, nicht nur die Schwachen: Egoismus, Arroganz und Kurzsichtigkeit zahlen sich langfristig nie aus.

Steckt den Kopf nicht in den Sand!


Damit wir im Umgang der Menschen und Staaten nicht wieder auf die Stufe des Rechts des Stärkeren, Reicheren oder Skrupelloseren zurückfallen, müssen wir solidarisch und verantwortungsvoll denken und handeln und unsere Repräsentanten dazu zwingen, unsere gemeinsamen Werte und nicht nur die Interessen bestimmter Gruppen zu vertreten. Unsere politischen Vertreter sind Menschen, die wir aus unserer Mitte heraus gewählt haben. Wenn wir selbst nicht mehr fähig sind Empathie,verantwortungsvolles Denken und Handeln, in unseren Alltag einzubinden, werden unsere Vertreter es auch nicht tun.




Wir dürfen nicht wegsehen, aus Bequemlichkeit auf unsere Mitsprache verzichten und vor dem Unrecht zurückweichen!


Die deutsche Geschichte hat gezeigt, was passiert, wenn sich ein Land willenlos in die Arme eines Diktators wirft und es andere Staaten gewähren lassen:
Es bringt Leid, Not und Tod über sein Volk und seine Nachbarn.


Die Vergangenheit darf sich nicht wiederholen; gerade wir Europäer müssen beweisen, dass wir die richtigen Lehren aus 1914 und 1939 gezogen haben!




Das künstlerische Ergebnis werden wir am 16. April 2014 ab 11.00 am Andreij-Sacharow-Platz (Fußgängerbrücke Hoher Steg) anbringen. Bezugnehmend auf die Grundstruktur der seit über 50 Jahren in Deutschland bestehenden Tradition der Ostermärsche.

Ergänzendes Bildmaterial werde ich nach der Aktion wieder als Anhang in diesen Blogbeitrag einfügen.

Die Kerninhalte des Häkelbanners wurden, mit dem Hinweis auf die Aktion, an eine breitgefächerte Auswahl  von Medienvertretern geschickt. In der Hoffnung, dass sie die Thematik aufgreifen und einer breiten Bevölkerungsschicht als Diskussionsgrundlage zugänglich machen werden.










Bestandsaufnahme nach zwei Tagen:

Das Kunstwerk wurde  samt der Plexiglastafeln, die mit Kabelbindern am Geländer befestigt waren, mit brachialer Gewalt aus der Verankerung gerissen und hinterher samt der Tafeln in die Pegnitz geworfen.
Außer den Kabelbindern und ein paar Fetzen Wolle blieb nichts am Geländer zurück!






Diese rigorose, fast rückstandsloseVernichtung hinterlässt einen äußerst faden Beigeschmack.
Der sonst übliche Vandalismus schaut anders aus.
So als hätte jemand die Botschaft auf dem Banner und die dadurch entstandene Diskussion ganz schnell aus der Welt schaffen wollen.



Das gibt einem zu Denken und stellt eine Frage in den Raum, über die wir vielleicht alle nachdenken sollten:

Kann man in unserem demokratischen Rechtssystem noch frei seine Meinung äußern, auch wenn sie ganz bestimmten Gruppierungen nicht paßt? Oder muss man dann schon um die körperliche wie geistige Unversehrtheit fürchten?